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Vergesst mich

Vergesst mich.

Vergesst den schlechten Stein,

in den ihr alles tut.

Vergesst das Mädchen,

das man mit Strafe und Mitleid

übergießen kann.

Vergesst das Weinen und Schreien.

Vergesst meine Erfolge,

mit denen ihr euch schmückt.

Vergesst mich als Abbild

vom Mann.

Ich ging hinaus, um mir eine

Welt zu bauen.

Doch für euch war sie verrückt.

Holzscheite legtet ihr auf meinen Weg,

positioniertet sie auf meinem Pfad.

Dann starrtet ihr auf all die Stämme,

sagtet, dass es keine Wurzeln gab.


Wenn ich liebe,

wollt ihr sie wegbeißen

und wenn ich singe

mir die Zunge ausreißen.

Wenn ich lache,

ertragt ihr es nicht:

Ihr hasst mein fröhliches Gesicht!

Wenn ich rede,

verdreht ihr die Augen.

Niemand würde mir jemals glauben…


Bis ich laufe und viel weiter.

Hier ist kein Mädchen heiter.

Dort, da bin ich weder Heilige

noch Zauberin.

Da bin ich Seele in Gestalt.

Da bin ich ewig jung und gerne alt.


Viele Jahre sehe ich euch nicht.

Wachse gut und gehe sicher.

Einmal schaue ich zurück,

verstehe besser eure Sicht:

Kluge Mädchen bringen

zu viel Licht!

Stumme Mädchen gehören sich.

Am ganzen Körper

schüttelt’s mich.

Vergesst mich!


(Dieses Gedicht ist ein Auszug aus dem Gedichtband "Goldklingeln. Gedichte & Texte", erschienen bei Book on Demand im Januar 2023, 9,99 € © Manou Fines)

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