• Manou Fines

Samhain


Gleich Schneeflocken

fallen gelbe Blätter

der Ulme in

milchiges Mondlicht

den dunklen Schornstein

hinab.

Nachtlichter der

Hoffnung schimmern

rot in

Wirklichkeit.

"Les jambes d'amour", 1968, Pierre Molinier

Sag mir, Zeit,

Hast du mich über?

Fliegen wollte ich auf

deinem Blatt,

singen in hohem Flug.

Sag mir Raum,

bin ich dir zu viel?

Wolltest mich doch einst

größer haben

als den Rauch aus

deinem Feuerkessel.


Schwarz gefiederte Gefährten

schreien um Mitternacht

wenn meine sieben Körper

im Weltenaggregat flimmern.

Fallen will ich

wie der Schnee,

leise, sacht,

im Stillen schmelzen,

einzig bedacht

meiner treuen Zeugen -

für andere

ewig unsichtbar.

Kalte Rauchzeichen

benebeln die Welt.



Weine nicht um mich, Nacht,

Blut geleckt hat die Macht.

Bedenke den Schnee,

der zu braunem

Wasser wird.

Schwelge im Wirbeln

der gelben Flieger.

Sieh nur!

Samhain blinzelt durch

glitzernde Augen,

seine Wangen

wimmern wund,

rotfeucht

zischt er Laute

aus der Anderswelt.


Hexenmutter, gib mir Kraft,

von innen zerreisst mir

die Endlichkeit.

Nimm mich mit

auf deinem Ritt

durch alle Sphären.

Schlagen wir Flügel

zum Mond,

lassen die roten Tropfen

unserer Herzen

auf die Totenmasken

niederregnen.

Schießen mit den Kometen,

glänzen mit den Sternen,

wandern mit dem Universum

von Gelb nach Gold.


David Lynch Photography

Weisedunkle Klauen

der Schwesternkrähen

gefrieren uns ins Zurück.

So fallen wir weiße

Schneeflocken,

werden rosa im Blut der

zerdrückten

Kinderträume.

Sinken in den Grund

als schmutzige Kreaturen,

finden das Feuer,

schauen wohlig

auf die Uhr,

wärmen die goldenen

Flieger

für das Danach,

warten in

Samhain's Ruhe

bis die Macht erfriert.


(Oktober, 2020)


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©Manou Fines 2020